Warum bist du eigentlich noch hier?
Es gibt Orte, an denen man merkt, dass man nicht mehr bleiben möchte.
Manchmal ist es eine Wohnung.
Ein Job.
Eine Freundschaft.
Eine Beziehung.
Manchmal ist es auch nur ein Gespräch, bei dem man plötzlich denkt:
Ich möchte hier weg.
Und trotzdem bleibt man.
Noch ein bisschen.
Noch ein Jahr.
Noch bis Weihnachten.
Noch bis das Projekt abgeschlossen ist.
Noch bis es besser wird.
Ich kenne dieses „noch“ ziemlich gut.
Es klingt vernünftig.
Fast erwachsen.
Man gibt nicht einfach auf.
Man hält durch.
Man ist loyal.
Man wartet.
Und irgendwann fragt man sich:
Warum bin ich eigentlich noch hier?
Diese Frage habe ich meinem Unterbewusstsein gestellt.
Es schwieg zunächst.
Was meistens kein gutes Zeichen ist.
Das Gespräch
Ich: Warum bin ich noch hier?
Unterbewusstsein: Weil du noch nicht gegangen bist.
Ich: Das ist keine Antwort.
Unterbewusstsein: Doch.
Ich: Warum gehe ich nicht?
Unterbewusstsein: Weil du glaubst, dass Gehen bedeutet, dass alles davor ein Fehler war.
Das hatte ich nicht erwartet.
Ich: Aber wenn etwas nicht mehr funktioniert, darf ich doch gehen.
Unterbewusstsein: Natürlich.
Ich: Warum fühlt es sich dann manchmal so falsch an?
Unterbewusstsein: Weil du nicht nur etwas verlässt, das nicht mehr passt.
Du verlässt auch die Vorstellung davon, wie es einmal werden sollte.
Stille.
Das kannte ich.
Manchmal hält man nicht an der Gegenwart fest.
Man hält an einer alten Hoffnung fest.
An dem Satz:
Wenn es sich doch noch verändert …
Wenn der andere sich verändert.
Wenn der Job wieder Spaß macht.
Wenn ich mich endlich eingewöhnt habe.
Wenn wir noch einmal darüber reden.
Wenn ich nur noch ein bisschen durchhalte.
Ich: Aber woher weiß ich, ob ich wirklich gehen sollte?
Unterbewusstsein: Das weißt du oft früher, als du denkst.
Ich: Das klingt gefährlich.
Unterbewusstsein: Warum?
Ich: Weil ich dann vielleicht etwas tun müsste.
Unterbewusstsein: Ach.
Da war es wieder.
Dieses kleine Wort.
Vielleicht ist das manchmal der eigentliche Grund, warum wir so lange bleiben:
Nicht weil wir nicht wissen, dass etwas nicht mehr stimmt.
Sondern weil wir wissen, dass eine Veränderung Konsequenzen hat.
Gehen heißt nicht nur:
Ich möchte das nicht mehr.
Es heißt manchmal auch:
Ich weiß noch nicht, was danach kommt.
Und das ist viel schwerer auszuhalten.
Vielleicht müssen wir deshalb nicht immer sofort gehen.
Vielleicht müssen wir auch nicht sofort bleiben.
Vielleicht können wir zunächst einmal ehrlich werden.
Mit uns selbst.
Und sagen:
So, wie es gerade ist, möchte ich nicht, dass es bleibt.
Das ist noch keine Entscheidung.
Aber es ist eine Wahrheit.
Und manchmal ist eine Wahrheit der erste Schritt.
Die Frage, die bleibt
Wenn alles so bleiben würde, wie es gerade ist – würdest du dich in einem Jahr noch genauso entscheiden?
Keine Panik.
Du musst darauf heute keine Antwort finden.
Aber vielleicht lohnt es sich, die Frage einmal nicht sofort wegzuschieben.
Unterbewusstsein, eine letzte Frage …
Ich: Und wenn ich noch nicht weiß, was ich stattdessen will?
Unterbewusstsein: Musst du auch nicht.
Ich: Aber wäre das nicht ziemlich unvernünftig?
Unterbewusstsein: Du kannst auch erst aufhören, in die falsche Richtung zu laufen.
Ich: Und dann?
Unterbewusstsein: Dann schauen wir weiter.
Vielleicht ist das manchmal genug.
Nicht zu wissen, wo man hinwill.
Aber endlich zu merken, wo man nicht mehr bleiben möchte.